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VISIONARY INSIGHTS

Wohlbefinden und Umweltgesundheit: JLL-Studie verrät erfolgreiche Strategie für dauerhafte Leistung im Büro

Eloïse Sok-Paupardin
30. September 2021
JLL study

Der Kampf um Talente und die jüngste Gesundheitskrise haben Unternehmen dazu veranlasst, die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden mehr denn je in den Vordergrund zu rücken, ihre Arbeitsmethoden zu überdenken und ihre Büros neu zu konzipieren. In diesem Zusammenhang belegen zahlreiche Studien1 die Wichtigkeit der bauphysikalischen Eigenschaften des Gebäudes für das Wohlbefinden, die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Nutzerinnen und Nutzer. Jedes Jahr gewinnen wir mehr Erkenntnisse über die physiologischen und psychologischen Vorteile eines ausreichenden Zugangs zu Tageslicht, einer Sicht nach draussen, einer kontrollierten Luftqualität2 und eines guten akustischen3 und thermischen4 Komforts. 

Aber was denken die Mitarbeitenden? Was sind für sie gute Arbeitsbedingungen? Wie wichtig ist die Umweltgesundheit? Legen sie auch Wert auf Gesundheits- und Wellnessleistungen? Inwieweit beeinflussen diese ihr Wohlbefinden und ihre Produktivität am Arbeitsplatz? Und schliesslich: Werden ihre Erwartungen erfüllt?

Studien, die versucht haben, einige dieser Fragen zu beantworten, zeigen eine Lücke zwischen den Erwartungen der Mitarbeitenden und dem aktuellen Büroangebot auf. Um diesen Trend zu bestätigen und unser Verständnis für das Thema zu vertiefen, haben wir das Immobilienberatungsunternehmen JLL beauftragt eine Studie durchzuführen. 

 

Methode

Die von JLL durchgeführte Studie konzentriert sich auf die Lichtqualität (natürlich und künstlich), Aussicht und Grünflächen, Temperatur, Lärmbelastung, Luftqualität sowie Leistungen zugunsten einer gesunden Lebensweise. Sie analysiert die Wichtigkeit, die diesen Faktoren aus Sicht der Büroangestellten beigemessen wird, sowie ihre Zufriedenheit mit den Faktoren. Diese Faktoren korrelieren auch mit dem Wohlbefinden und der wahrgenommenen Produktivität

Die Studie basiert auf Daten, die von einem Panel aus mehr als 68 000 Mitarbeitenden in 50 Ländern erhoben wurden. Eine Analyse nach Geschlecht, Altersgruppe und Region wurde ebenfalls durchgeführt. Auch die Entwicklung über die letzten sieben Jahre wird betrachtet. 

 

Wichtigste Ergebnisse

1) Die Arbeitsumgebung kann wie folgt verbessert werden:

  • Die Mitarbeitenden legen grossen Wert auf Luft- und Lichtqualität, thermische Behaglichkeit, Abwesenheit von Lärmbelästigung, die Sicht nach draussen und Grünflächen. Sie schätzen auch Leistungen, die dem Wohlbefinden und der Gesundheit dienen.
  • Ihre Erwartungen werden jedoch nicht vollumfänglich erfüllt, insbesondere in Bezug auf Akustik und Temperatur. 

Diese Ergebnisse verdeutlichen das Potenzial zur Verbesserung der Arbeitsumgebung, um die Erwartungen der Mitarbeitenden vollständig zu erfüllen.

Wichtigkeit vs. Zufriedenheit mit der Qualität der Innenräume und den Gesundheits- und Wellnessleistungen im Büro aus Sicht der Mitarbeitenden. Für jeden Indikator wird ausserdem der HX-Score angegeben. (Quelle: JLL).5

 

2) Eine positive, aber unzureichende Entwicklung über die Zeit:

Ein Vergleich der Daten über die letzten sieben Jahre zeigt eine interessante Entwicklung. Während die Mitarbeitenden global gesehen allen untersuchten Kriterien immer mehr Bedeutung beimessen, beobachten wir auch einen Anstieg der Zufriedenheitswerte, was möglicherweise ein Bewusstsein für Themen seitens der Unternehmen widerspiegelt, die sich mit der Arbeitsqualität befassen. Aber auch im Jahr 2020 wurden diese Bedürfnisse noch nicht vollständig erfüllt.

Entwicklung des Zusammenhangs zwischen der Wichtigkeit, die Umweltfaktoren und Leistungen für Wohlbefinden und Gesundheit in Büros beigemessen wird, und den damit verbundenen Zufriedenheitswerten von 2014 bis 2020 (Quelle: JLL).

Entwicklung der Wichtigkeit, die der thermischen Behaglichkeit in Büros beigemessen wird, von 2014 bis 2020 und damit verbundene Zufriedenheitswerte (Quelle: JLL).

 

3) Signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern, Generationen und Regionen:

  • Frauen legen auf Grundbedürfnisse wie Akustik, Temperatur, Luftqualität und Licht ähnlich viel Wert wie Männer. Sie legen jedoch mehr Wert auf erlebnisorientiertere Faktoren wie die Sicht nach draussen und Grünflächen sowie auf Leistungen zugunsten einer gesunden Lebensweise. Auf der anderen Seite geben Frauen insgesamt eine deutlich geringere Zufriedenheit an als Männer, insbesondere in Bezug auf Temperatur, Luftqualität und Licht.
  • Die untersuchten Faktoren werden unabhängig von der Alterskategorie als wichtig angesehen. Allerdings scheinen die jüngsten Generationen die anspruchsvollsten zu sein.
  • Auch zwischen den Regionen gibt es Unterschiede. So ist die Kluft zwischen den Erwartungen an Luftqualität, Akustik und Temperatur bei den befragten Mitarbeitenden in Europa und im Nahen Osten grösser.

Die Auslegung der beobachteten Unterschiede wird im Studienbericht diskutiert.

Level of importance vs. satisfaction: differences between men and women (source: JLL)

Diese Ergebnisse offenbaren reale Unterschiede in den Erwartungen, der Sensibilität und der Wahrnehmung der Mitarbeitenden. Da Inklusion für Unternehmen heute ein bedeutendes Thema ist, ist es umso wichtiger, diese Vielfalt bei der Planung und Gestaltung von Räumen und Serviceangeboten zu berücksichtigen.

 

4) Positive Korrelation von Umweltfaktoren mit Wohlbefinden und Produktivität:

  • Die Analyse der Daten zeigt einen positiven Zusammenhang zwischen den untersuchten Faktoren und der wahrgenommenen Produktivität der Mitarbeitenden, wobei die Akustik die stärkste Korrelation für die Produktivität aufweist.
  • Es wird auch ein positiver Zusammenhang zwischen allen untersuchten Faktoren und dem Wohlbefinden nachgewiesen. Zugang zu Aussicht und Grünflächen bildet die stärkste Korrelation für das Wohlbefinden.

Korrelation zwischen physischen Qualitäten von Büroräumen und Gesundheitsdienstleistungen mit Produktivität und Wohlbefinden (Quelle: JLL)

In absoluten Zahlen betrachtet, ist die Korrelation zwischen den untersuchten Faktoren und der Produktivität nicht gross. Dieses Ergebnis bestätigt, dass die Produktivität nicht durch einen einzelnen Faktor bestimmt wird, sondern durch die Kombination einer Vielzahl von Faktoren. Das gilt auch für das Wohlbefinden. So haben z. B. das Verhältnis des Mitarbeitenden zu seinen Vorgesetzten sowie zu Kolleginnen und Kollegen, die Qualität der IT-Tools, die Ergonomie des Arbeitsplatzes usw. ebenfalls einen Einfluss auf Produktivität und Wohlbefinden. 

Die festgestellte positive Korrelation untermauert jedoch die Tatsache, dass die Verbesserung des Komforts und der Gesundheit der Mitarbeitenden durch eine bessere Qualität der Arbeitsumgebung in Verbindung mit Leistungen tatsächlich einen Einfluss auf die Erfahrung und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden und somit letztlich auch auf die Ergebnisse des Unternehmens haben. 

 

5) Es besteht Handlungsbedarf:

Basierend auf den oben dargestellten Ergebnissen rückt JLL die Schlüsselfaktoren in den Vordergrund, in die Unternehmen vorrangig investieren sollten, um das Wohlbefinden und die Leistung ihrer Mitarbeitenden zu verbessern und deren Erwartungen besser zu erfüllen. Während Akustik und Luftqualität Grundvoraussetzungen sind, handelt es sich bei Aussicht und Grünflächen sowie Leistungen zugunsten einer gesunden Lebensweise um strategische Schwerpunkte.

Absolute und strategische Ziele, um die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu steigern (Quelle: JLL)

 

Fazit

Es herrscht zwar noch einige Unsicherheit darüber, wann die Mitarbeitenden in die Büros zurückkehren werden und wie oft sie dort arbeiten werden, aber eines ist sicher: das Arbeitsumfeld wird sich verändern. Einwandfreie hygienische Bedingungen, mehr Komfort und Wohlbefinden, abwechslungsreiche Räume, neue Leistungen – das sind die Erwartungen, die Unternehmen mehr denn je erfüllen müssen. Diese Anforderungen sind jedoch nicht über Nacht mit Beginn der Coronakrise aufgetaucht. Die Gesundheitskrise hat lediglich einen Trend in den Vordergrund gerückt, der schon seit einigen Jahren beobachtet wurde.

Die von JLL durchgeführte Studie bestätigt eine Realität, auf die andere bahnbrechende Studien6 bereits hingewiesen haben. Wenn es um die physische Umgebung in Innenräumen geht, umfassen die Erwartungen der Mitarbeitenden Grundbedürfnisse wie kontrollierte akustische und thermische Behaglichkeit, gleichbleibende Luftqualität und Licht, aber auch erlebnisorientiertere Bedürfnisse wie der Zugang zu Aussicht und Natur. Die Mitarbeitenden erwarten ausserdem, dass Leistungen angeboten werden, die ihnen dabei helfen, sich besser und gesünder zu fühlen. All diese Erwartungen lassen sich jedoch nicht vollständig erfüllen, ungeachtet der zunehmenden Fokussierung auf die Arbeitsbedingungen.

Es besteht jedoch ein direkter Zusammenhang zwischen diesen Faktoren und dem Wohlbefinden und der Leistung der Mitarbeitenden. Durch eine verbesserte Qualität des Innenraumklimas in Kombination mit Leistungen für mehr Wohlbefinden werden die Mitarbeitenden nicht nur besser arbeiten, sondern sich auch wertgeschätzter, glücklicher und engagierter bei ihrer Arbeit fühlen. Dadurch kann sich die Leistung und das Image der Unternehmen weiter verbessern.

Indem wir die Bedürfnisse der Mitarbeitenden wieder in den Mittelpunkt stellen, geht es letztlich darum, dem Büro (wieder) eine menschlichere Dimension zu geben und es (wieder) zu einem Ort zu machen, an dem es sich gut leben und arbeiten lässt. Das kann eine gewinnbringende Strategie für Arbeitnehmende und Arbeitgebende sein und der Schlüssel für eine dauerhafte Rückkehr in die Büros nach der Coronakrise.

 

Studie herunterladen

 

Eloise Sok

Eloïse Sok-Paupardin ist Concept Creator bei SageGlass Europa & Mittleren Osten. Sie hat einen universitären Doppelabschluss im Bereich Ingenieurwissenschaften der Ecole Centrale in Frankreich und der Tsinghua Universität in China. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen nachhaltiges Bauwesen, Tageslicht und der Komfort der Gebäudenutzer. Ihr Motto: "Leidenschaft ist unsere grösste Stärke". 

 

 


1 Health, Wellbeing & Productivity in Offices. The next chapter for green building. World Green Building Council, 2013
2 Associations of Cognitive Function Scores with Carbon Dioxide, Ventilation, and Volatile Organic Compound Exposures in Office Workers: A Controlled Exposure Study of Green and Conventional Office Environments, J. Allen et al, 2016
3 A psychoacoustical approach to resolving office noise distraction, Oseland & Hodsman, 2018
4 Quantitative measurement of productivity loss due to thermal discomfort, L. Lan et al, 2011
5 Die Übereinstimmung zwischen Erwartungen und Zufriedenheit mit einem bestimmten Indikator wird durch den HX-Score gemessen. Ein Score von 100 wird erreicht, wenn der Zufriedenheitswert exakt mit den Erwartungen übereinstimmt. Der Score erhöht oder verringert sich um einen Punkt für jeden Prozentpunkt Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Wichtigkeitswert und dem durchschnittlichen Zufriedenheitswert.
6 The Next 250k, Leesman, 2018

 

Zusätzliche Informationen: