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VISIONARY INSIGHTS

Natürliches Licht und die Auswirkung für Gesundheitseinrichtungen – Erkenntnisse der Messe Paris Healthcare Week 2018

Eloïse Sok
13. November 2018

Im vergangenen Mai habe ich die Messe Paris Healthcare Week besucht. Es ist eine französischsprachige Ausstellung für Entscheider und Berufsträger in der Verwaltung, Ausstattung und dem Bau von Gebäuden im Gesundheitswesen.

Ich wollte bei meinen Arbeitskollegen auf der Ausstellung vorbeischauen und auch an mehreren Konferenzen der Internationalen Architektenvereinigung (UIA) teilnehmen. Zudem wollte ich meine Kenntnisse über diesen Sektor und seine Herausforderungen, Hauptakteure und Tätigkeitsfelder vertiefen, denn ehrlich gesagt, kannte ich mich bei Gesundheitseinrichtungen noch nicht so gut aus. Zudem wollte ich mehr über die aktuellen und zukünftigen Trends der Krankenhausarchitektur und der Rolle von natürlichem Licht und einer uneingeschränkten Sicht nach draussen im Gesundheitswesen erfahren.

Ich war verblüfft, dass natürliches Licht und der Blick nach draussen in verschiedenen Vorträgen immer wieder als Schlüsselkriterium bei der Gebäudegestaltung genannt wurde.


Tageslicht und der Blick in die Natur dominieren im Anbau für ambulaten Versorgung des Queen Elizabeth Hospitals in Hong-Kong, Quelle: www.wongtung.com
 

Vor der Messe hatte ich bereits zahlreiche Artikel und wissenschaftliche Publikationen über die positiven Wirkungen von natürlichem Licht und einer uneingeschränkten Sicht in die Natur für Gesundheitseinrichtungen gelesen. Übrigens haben wir die wichtigsten Zahlen und Fakten dazu in einer anschaulichen Infografik in diesem Blogbeitrag zusammengefasst. Aber neben der Tatsache, dass natürliches Licht und der Blick nach draussen zur schnelleren Genesung der Patienten und der Reduzierung ihres Medikamentenbedarfs beitragen kann und das Personal weniger gestresst und leistungsfähiger ist, scheint es noch weitere Gründe für Tageslicht und eine uneingeschränkte Sicht nach draussen bei der Gebäudegestaltung zu geben:  

1. Lesbare und intuitive Beschilderung helfen, sich zurechtzufinden und sich zu orientieren: Einrichtungen im Gesundheitswesen sind oft sehr weitläufig und umfassen mehrere Stockwerke, Flure, und Erweiterungsbauten. Das macht es Personen nicht immer leicht, sich zu orientieren und den richtigen Weg zu finden. Das gilt sowohl für Besucher und Patienten, die an kognitiven Störungen leiden als auch für ältere, unselbständige oder sehbehinderte Menschen. Helle Räume in verschiedenen Farben mit einer schönen Aussicht tragen zur besseren Orientierung für die Gebäudenutzer bei. Darum werden auch Atrien und Innenhöfe immer beliebter, die Licht ins Rauminnere lassen. Dem Personal erlaubt eine gute Beschilderung ausserdem den Überblick über die internen Abläufe zu behalten.

2. Ein Gefühl von Sicherheit für Patienten und Besucher: Krankenhäuser und ihre Umgebung gelten üblicherweise nicht als besonders einladend und können auch ein zusätzlicher Stressfaktor für Besucher sein. Die Flure und die Notaufnahme sind beispielsweise meistens sehr steril und haben kaum natürliches Licht. Nun sind es aber gerade diese Räume, die der Patient oder Besucher zuerst betritt! Ausserdem neigen Patienten dazu, die Qualität einer Dienstleistung oder eines Dienstleisters im Gesundheitswesen nach dem Wartezimmer zu beurteilen. Besonders die Beleuchtung spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Menge an Tageslicht und die Möglichkeit von einer Sicht in die Natur tragen deshalb auch hier grundlegend zu einer besseren Erfahrung bei.

3. Die Schaffung von behaglichen, einladenden und qualitativ hochwertigen Räumen, ähnlich gestaltet wie Hotelzimmer: Einer der beobachtbaren Haupttrends in der Krankenhausarchitektur ist die Gestaltung von „hotelähnlichen“ Räumen. Dies zeigt sich durch die Wahl von warmen und beruhigenden Farben und spielerischen Materialien. Dank der Optimierung von Tageslicht und der Möglichkeit einer Sicht nach draussen werden entspannte Atmosphären geschaffen. Und das nicht nur in den Bereichen, in denen sich die Angehörigen der Patienten aufhalten, sondern generell in allen Empfangsräumen, Warte- und Sprechzimmern und Essbereichen.

4. Attraktivitätssteigerung der Gesundheitseinrichtungen: Es ist eine der Herausforderungen für Klinikleiter, fähige und geeignete Mitarbeitende einzustellen und langfristig zufriedenzustellen. Eine Lösung ist den Mitarbeitenden ein behagliches und angenehmes Arbeitsumfeld zu bieten, damit sie ihre Tätigkeit unter den bestmöglichen Bedingungen verrichten können.

5. Förderung der Biophilie: Da die therapeutische Wirkung der Natur immer mehr Anerkennung erhält, wird beispielsweise die Aussicht auf Grünflächen verstärkt in Gemeinschafts- und Einzelräumen integriert.

6. Beitrag zum nachhaltigen Entwicklungsprozess der Einrichtung: Der Energieverbrauch und die Nachhaltigkeit eines Gebäudes gelten ebenfalls als zentrale Herausforderungen im Gesundheitswesen. Die Maximierung des Einfalls von natürlichem Licht kann dazu beitragen, die Nutzung von elektrischer Beleuchtung und damit die CO2-Bilanz des Gebäudes zu reduzieren.

 

Private und öffentlich zugängliche Räume bieten Tageslicht und den Ausblick auf die Natur im Maas en Kempen Hospital. Quelle: www.djga.nl, https://ar-te.be


Schliesslich entwickelt sich ähnlich wie bei Bürogebäuden auch im Gesundheitswesen die Tendenz den Menschen in den Mittelpunkt der architektonischen Gestaltung von Gesundheitseinrichtungen zu stellen. Dabei kann es sich beim Menschen um einen Besucher, einen Patienten, seine Angehörigen, oder auch das Personal handeln. Für alle spielt natürliches Licht und der Blick nach draussen eine entscheidende Rolle.

 

Eloise SokEloïse Sok ist Concept Creator bei SageGlass Europa & Mittleren Osten. Sie hat einen universitären Doppelabschluss im Bereich Ingenieurwissenschaften der Ecole Centrale in Frankreich und der Tsinghua Universität in China. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen nachhaltiges Bauwesen, Tageslicht und der Komfort der Gebäudenutzer. Ihr Motto: "Leidenschaft ist unsere grösste Stärke".

 

 

Zusätzliche Informationen: