< Zurück zu Visionary Insight

VISIONARY INSIGHTS

WAS SIE ÜBER DAS BUCH «THE GREAT INDOORS» WISSEN MÜSSEN

Emma Wilhelm, Senior Global Marketing Manager
24. August 2020
WHAT YOU NEED TO KNOW ABOUT THE GREAT INDOORS

In ihrem Buch The Great Indoors: The Surprising Science of How Buildings Shape Our Behavior, Health, and Happiness untersucht Emily Anthes die vielfältigen Einflüsse von Innenräumen auf unseren Körper und unseren Geist. Dabei geht sie sowohl auf positive als auch auf negative Auswirkungen ein. Während den Recherchen sprach Anthes mit führenden Bauforschern und besuchte innovative Räume, darunter eine Schule, ein Gewerbeimmobilienunternehmen, ein medizinisches Labor, ein Wohnheim für Menschen mit Behinderungen und ein Frauengefängnis.

Dieses Buch wird Menschen, die in der Baubranche tätig sind, neu dazu inspirieren, lebensbejahende Gebäude zu erschaffen, die das Wohlbefinden steigern. Wir bei SageGlass schätzen es sehr, an innovativen Projekten beteiligt zu sein, die sich ehrgeizige Ziele für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Nutzenden gesteckt haben. Auch seit der COVID-19-Pandemie wächst das Interesse an gesundheitsfördernden Gebäuden rasant an. Monique Salas, unsere Healthcare Business Development Managerin, hat Anthes kürzlich zu ihrem neuen Buch interviewt.

 

Bauforschung in Zeiten von COVID-19

Obwohl das Buch erst diesen Sommer veröffentlicht wurde, schrieb Anthes es lange, bevor COVID-19 zum Thema wurde. Dennoch enthält es einige sehr relevante Konzepte. «Ich gehe im Buch ziemlich ausführlich darauf ein, wie wir Räume gestalten können, die die Ausbreitung von Infektionskrankheiten reduzieren. Obwohl ich dabei nicht an COVID-19 gedacht habe, treffen einige meiner Ratschläge auch darauf zu», so Anthes. «Abgesehen davon Bakterien und Viren durch Sterilität zu verhindern, ist jedoch die Tatsache, dass wir alle viel mehr Zeit in Gebäuden verbringen als früher. Und deshalb denke ich, dass das Buch viele Ratschläge enthält, wie wir Gebäude und Räume erschaffen können, in denen wir uns wirklich erholen können und die uns dabei helfen, gesund und glücklich zu bleiben. Wir erleben gerade eine aufreibende Zeit, aber indem wir einige Änderungen an unseren Gebäuden vornehmen und unser Augenmerk verstärkt auf die Gestaltung richten, können wir versuchen, den Stress etwas zu reduzieren und Räume zu schaffen, in denen wir uns sicher und wohl fühlen.»

Neben dem Buch hat sich Anthes in letzter Zeit mehr mit COVID-19 auseinandergesetzt und folgende Artikel veröffentlicht (nur auf Englisch verfügbar):

 

Die Inspiration zum Buch

Anthes ist eine Wissenschaftsjournalistin, die viel Zeit mit dem Studium von Fachzeitschriften verbringt. Vor sieben oder acht Jahren fiel ihr eine Vielzahl von neuen Forschungsarbeiten zu einem Thema auf, das oft als Innenraummikrobiom bezeichnet wird: die Gemeinschaft aller Mikroorganismen, die das Gebäude besiedeln.

«Wir verbringen 90 Prozent der gesamten Zeit in Innenräumen, aber ich habe nie wirklich darüber nachgedacht, was dort eigentlich passiert», erklärt Anthes. «Und schliesslich wurde mir klar, dass Gebäude viel vielschichtiger und komplexer sind, als es mir bisher bewusst war. Das war auch der Auslöser für folgende Fragen: ‹Was gibt es sonst noch über diese Gebäude herauszufinden?› ‹Welche Kraft haben sie, die wir oft übersehen?›»

Anthes forscht und schreibt seit mehreren Jahren zum Thema bebaute Umwelt. So veröffentlichte sie beispielsweise vor vier Jahren einen Artikel im englischen Wissenschaftsmagazin  Nature mit dem Titel «The office experiment: Can science build the perfect workspace? (Das Büroexperiment – Kann Wissenschaft den perfekten Arbeitsplatz bauen?)» Das Buch The Great Indoors fasst all ihre Erkenntnisse der umfassenden Forschung und ihren Erfahrungen in einzigartigen Räumen zusammen.

 

Erkenntnisse zum Thema Tageslicht und freie Sicht nach aussen

Als Expertin für Geschäftsentwicklung in der elektrochromen Glasindustrie denkt Monique Salas viel über die Bedeutung von Tageslicht und einer freien Sicht nach aussen nach. Im Interview bittet sie Anthes, einige Erkenntnisse zu diesem Thema zu verraten. «Tatsächlich sind Tageslicht und eine freie Sicht nach aussen – vor allem eine freie Sicht in die Natur – zwei der wichtigsten Dinge, die Sie den Gebäudenutzern bieten können», erklärt Anthes. «Dazu gibt es Unmengen von wissenschaftlicher Literatur.»

Anthes fährt fort und erklärt, dass Tageslicht unter anderem:

  • unsere Stimmung verbessern und
  • unseren Biorhythmus regulieren kann

Eine freie Sicht in die Natur könne dagegen:

  • Stress, Angst und Schmerzen reduzieren
  • Konzentration, Fokussierung und Produktivität steigern

«Wenn Sie also irgendein positives Ergebnis erreichen wollen», so Anthes, «können Tageslicht und eine freie Sicht nach aussen Ihnen dabei helfen. Beide Faktoren spielen für die Gebäudenutzer eine entscheidende Rolle.» Während die Forschungsarbeiten über den Nutzen von Tageslicht und einer freien Sicht nach aussen eine eindeutige Sprache sprechen, gilt der tatsächliche Zugang zu diesen Elementen oft nach wie vor als Luxus. (Denken Sie beispielsweise nur mal an das Eckbüro.)

 

Den wahren Grund erkennen

Anthes erklärt, dass ein Grossteil der frühen Forschungstätigkeiten über Tageslicht und eine freie Sicht nach aussen in Krankenhäusern durchgeführt wurde. Patienten in sonnigeren Zimmern benötigen weniger Schmerzmittel, werden früher entlassen und haben eine geringere Sterblichkeitsrate. «Selbst wenn es nicht gelingt, die Krankenhausverwaltung zu überzeugen, dass Tageslicht und eine freie Sicht nach aussen das Wohlbefinden steigern können, steht dennoch ein schlagkräftiges wirtschaftliches Argument dahinter.», so Anthes.

Ähnliche Argumente lassen sich auch für andere Innenräume wie Büros und Schulen anführen. Tatsächlich hat die Forschung festgestellt, dass Tageslicht und die freie Sicht nach aussen unsere geistige Leistungsfähigkeit beeinflussen. Anthes erklärt ein Phänomen, das als Theorie zur Wiederherstellung der Aufmerksamkeitsfähigkeit bezeichnet wird. «Es hat sich herausgestellt, dass der Blick aus dem Fenster, vor allem direkt in die Natur, uns entspannt. So kann sich unser Gehirn ausruhen. Dadurch werden unsere Konzentration, unsere Aufmerksamkeit und unsere Produktivität verbessert.»

Eine Begleittheorie der Theorie zur Wiederherstellung der Aufmerksamkeitsfähigkeit ist die Hypothese der Biophilie. «Diese hat viel damit zu tun, wie und warum der Blick in die Natur uns entspannt», erklärt Anthes. «Und diese Entspannung hat wiederum verschiedenste Auswirkungen: das Stresshormon Cortisol wird abgebaut und der Blutdruck gesenkt.» Beide Theorien zusammen ergeben einen überzeugenden Business Case für die Gestaltung von Innenräumen, die viel Tageslicht und einen Blick in die Natur bieten.

Weitere Beispiele aus den Bereichen Gewerbeimmobilien, Gesundheitswesen und aus der Baubranche werden im 30-minütigen Interview mit Monique Salas und Emily Anthes gegeben (nur in Englisch verfügbar).

 

Über Emily Anthes

Emily Anthes ist eine Wissenschaftsjournalistin und Autorin. Ihr Buch The Great Indoors: The Surprising Science of How Buildings Shape Our Behavior, Health, and Happiness wurde im Juni 2020 veröffentlicht. Weitere Artikel wurden unter anderem in Zeitungen und Magazinen wie The New York Times, The New Yorker, The Atlantic, Wired, Nature, Slat und Businessweek publiziert. Ihre Beiträge wurden auch mehrfach ausgezeichnet. Sie erhielt unter anderem den AAAS Kavli Science Journalism Award sowie den NASW Science in Society Journalism Award. Emily hat einen Masterabschluss in wissenschaftlichem Schreiben vom MIT und einen Bachelorabschluss in Wissenschafts- und Medizingeschichte der Yale University, wo sie auch kreatives Schreiben studierte. Heute lebt sie in Brooklyn, New York.

Zusätzliche Informationen: