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VISIONARY INSIGHTS

Warum wir Tageslicht brauchen

Eloïse Sok
25. Juni 2018

Waren Sie schon mal für mehrere Stunden oder sogar Tage in einem völlig dunklen Raum ohne Fenster und vielleicht sogar auch ohne Licht? Oder litten Sie schon an Jetlag? Wie fühlten Sie sich körperlich und seelisch?


Eine meiner Kolleginnen hat mir bei einem Abendessen von einer Geschäftsreise nach Asien erzählt. Ich war schockiert, als sie mir sagte, dass sie während der ganzen Woche Mettings in einem fensterlosen Raum hatte. „Ich habe nicht nur unter den Auswirkungen der Zeitverschiebung gelitten, sondern auch unter einem ganz seltsamen Unwohlsein. Zur Mittagszeit hatte ich überhaupt kein Hungergefühl mehr. Mein biologischer Rhythmus war auch vollständig durcheinander geraten.“, meinte sie.


Auch auf Twitter tauschen sich Betroffene über mangelndes Tageslicht aus.

 

 

Migräne, Müdigkeit, Schlaflosigkeit und Depressionen sind nur einige Symptome eines Mangels an Tageslicht. Natürliches Licht lässt uns nicht nur die Welt um uns herum sehen, sondern es beeinflusst auch unseren Organismus und unsere Gesundheit. Zudem sind zahlreiche biologische Funktionen wie der Schlafrhythmus, das Erinnerungsvermögen, die Konzentrationsfähigkeit oder die Gemütslage vom Tageslicht abhängig.

Der Einfluss des Tageslichts auf unsere innere Uhr

Unter anderem nehmen wir Licht über die Zellen in unseren Augen auf. Diese speziellen Zellen des Auges, auch Ganglienzellen genannt, kommunizieren direkt mit unserem Gehirn und unserem Biorhythmus. Der Biorhythmus ist für eine Vielzahl physiologischer Vorgänge wie die Körpertemperatur, den Blutdruck oder die Hormonproduktion verantwortlich. Aber auch für die kognitiven Fähigkeiten1, Die Tageszeit, genauer gesagt der Wechsel zwischen Tag und Nacht, ist für einen gut funktionierenden Rhythmus zuständig.2

Viele Körperfunktionen werden von der inneren Uhr geregelt (Smolensky und Lamberg: The body clock guide to a better health).

Ohne den kontinuierlichen Abgleich mit der Umwelt wäre unser biologischer Rhythmus bald aus dem Takt. Das hätte verheerende Auswirkungen auf unser geistiges und körperliches Wohlbefinden. Stress, Depression, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Magen-Darm-Störungen, Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes oder sogar Krebs sind nur einige der Symptome eines gestörten Biorhythmus3. Besonders die Bewohner der nordischen Regionen, Reisende oder Schichtarbeiter sind anfällig dafür.

 

Die drei Arten von Sinneszellen auf der Netzhaut und die nicht-visuellen Effekte des natürlichen Lichts (Quelle: EPFL)

Dank Tageslicht fit werden, gesund bleiben und voll durchstarten
Wie können wir also sicherstellen, dass wir genügend Tageslicht erhalten, um gesund zu bleiben? Obwohl sich zunehmend Wissenschaftler aus ganz unterschiedlichen Forschungsfeldern wie Biologie, Psychologie, Neurologie oder auch Architektur und Bauwesen mit diesem Thema befassen, stecken Empfehlungen und Richtlinien noch in den Kinderschuhen.

Jeder Einzelne kann aber seine Produktivität steigern und sein Wohlbefinden mit diesen einfachen Tipps verbessern:

  • Machen Sie einen oder mehrere Spaziergänge an der frischen Luft. Bei schönem Wetter werden zusätzlich Ihre Vitamin D Reserven aufgeladen.
  • Schalten Sie abends vor dem Schlafengehen den Bildschirm ab und lesen Sie stattdessen ein Buch.
  • Bei extremen Lichtmangel können lichttherapeutische Behandlungen helfen, die innere Uhr wieder ins Lot zu bringen.

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Eloïse Sok ist Concept Creator bei SageGlass Europa & Mittleren Osten. Sie hat einen universitären Doppelabschluss im Bereich Ingenieurwissenschaften der Ecole Centrale in Frankreich und der Tsinghua Universität in China. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen nachhaltiges Bauwesen, Tageslicht und der Komfort der Gebäudenutzer. Ihr Motto: "Leidenschaft ist unsere grösste Stärke".

 

1  Vandewalle, G, The stimulating impact of light on brain cognition function, Medecine Science, Vol. 30, Num. 10, Oct. 2014, pp 902-909.

2  Gronfier Cet al Entrainment of the human circadian pacemaker to longer-than-24h daysProc Natl Acad Sci USA2007;104(21):90819086.

3    Foster, RG.,  et al “The rhythm of rest and excess”Natura Reviews Neuroscience, 2005.

 

Zusätzliche Informationen: