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VISIONARY INSIGHTS

Passenger Terminal Expo 2019: 3 wichtige Erkenntnisse

JORDAN DORIA, SENIOR MARKETING MANAGER
10. April 2019

SageGlass war dieses Jahr erstmalig als Aussteller auf der Flughafenmesse Passenger Terminal Expo in London vertreten. Die Messe war mein erster Kontakt mit der Flughafenbranche im weiteren Sinne. Um ehrlich zu sein, hatte ich im Vorfeld keine Ahnung, was mich erwarten würde. Wären die Flughafenbetreiber überhaupt bereit und in der Lage, sich mit dem Komfort von Fluggästen und dessen Auswirkungen auf das Reiseerlebnis auseinanderzusetzen? Ich hegte dahingehend einige Zweifel, da sie vor einer Vielzahl anderer gewaltiger Herausforderungen stehen. Dazu gehören unter anderem der enorme Wachstumsbedarf, da sich das Fluggastaufkommen bis 2030 – also in lediglich elf Jahren – verdoppeln wird, ebenso wie die zunehmende Automatisierung und Digitalisierung, die der Sicherheit am Flughafen teils zu- und teils abträglich sein wird. Da ich während drei Tagen am Stand die Besucher informieren sollte, stellte sich mir aus rein praktischen Gründen die Frage, ob überhaupt jemand Interesse zeigen würde. Zu meinem Erstaunen fielen die Reaktion auf unser intelligentes Sonnenschutzglas weit positiver aus, als ich es erwartet hatte. Auch möchte ich mit Ihnen drei wichtige Erkenntnisse teilen, die ich bei der Veranstaltung gewonnen habe.
 

  1. Die Flughafenbetriebe sind sich des Problems des Komforts für die Fluggäste bewusst 
    Als Messeaussteller muss man sich für gewöhnlich vorsichtig im Gespräch mit Kunden vortasten, um herauszufinden, ob das eigene Produkt für ihn das Richtige ist. Das war aber diesmal überhaupt nicht der Fall. Nachdem die Besucher von den Eigenschaften von dynamischem Glas gehört hatten, führten sie von sich aus Beispiele an, was für Auswirkungen Blendeffekte und ein hoher Wärmeeintrag in Bezug auf den Komfort von Fluggästen hat. Von jenen, auf deren Flughäfen Renovierungsarbeiten anstanden, bekundeten viele Interesse. Andere, die erst kürzlich Renovierungsarbeiten durchgeführt hatten, bedauerten es, nicht früher von smartem Glas erfahren zu haben. Passenger Terminal Expo stach somit deutlich aus allen Messen heraus, auf denen ich bereits gearbeitet hatte, denn auf keiner anderen Messe waren potenzielle Kunden derart begeistert und wollten diese Lösung unbedingt installieren.

 

  1. Über das Reiseerlebnis wird viel diskutiert – aber aus unterschiedlichen Perspektiven
    Die Branchenführer unter den Flughafenbetreibern sind einhellig der Meinung, dass ein gutes Reiseerlebnis für Fluggäste sehr wichtig ist. Das setzt ein detailliertes Wissen um die Bereiche am eigenen Flughafen voraus, in denen der grösste Verbesserungsbedarf besteht. Allerdings kommen dabei so viele Faktoren zusammen, dass sie sich oft nur auf bestimmte Bereiche konzentrieren. Im Allgemeinen kreisen deshalb die Bemühungen um einen einzigen Begriff: Vereinfachung. Wie können alle Aspekte einer Flugreise für die Passagiere möglichst einfach gestaltet werden? Dieser Frage liegt eine wichtige Erkenntnis zugrunde: Flugreisen sind nervenaufreibend und damit vermutlich das genaue Gegenteil von «einfach». Die gesamte Branche ist sich bewusst, dass diese Herausforderung nicht einfach zu meistern ist und sich noch vieles ändern muss.

 

  1. Die versteckte Herausforderung bei "einstufigen" Sicherheitskontrollen
    Biometrische Scanner, insbesondere zur Gesichtserkennung, schicken sich an, in puncto Sicherheit zukünftig das Mittel der Wahl zu werden. Sie könnten eine «einstufige» Sicherheitsüberprüfung ermöglichen und als einziger Identifikationsnachweis dienen, den ein Fluggast im Rahmen einer Flugreise erbringen muss. Dies würde wahrscheinlich zu einem besseren Reiseerlebnis führen. Allerdings wird befürchtet, dass insbesondere zu grelles Tageslicht, die Wirksamkeit von Gesichtserkennungssoftware beeinträchtigt. In einem Newsletter vom März 2019 zu Fragen des Flugverkehrs befasste sich das führende Design- und Beratungsunternehmen Arup genau mit diesem Problem. Dabei wurde festgestellt, dass selbst die Hersteller entsprechender Anlagen vor Tageslicht warnen, da Schattenwurf die Erkennungsquote verringern kann. Dies führte auch einer der Flughafenbetreiber an, mit denen ich an der Messe ins Gespräch kam: An seinem Flughafen wurde die Gesichtserkennung an einer der Sicherheitsschleusen bereits durch intensive Sonneneinstrahlung am frühen Morgen beeinträchtigt. Flughäfen werden zunehmend mit grossen Glasflächen ausgestattet, da die Vorteile wie Tageslicht und die freie Sicht nach aussen dazu beitragen, das Gefühl von Klaustrophobie in grossen Menschenmassen zu mindern, dem menschlichen Biorhythmus zuträglich sind und sogar bei der Orientierung helfen. Bedeutet die Einführung von biometrischen Scannern nun, dass die Fenster in der Nähe von Sicherheitsschleusen plötzlich zum Problem werden? Für eine endgültige Aussage ist es noch zu früh. Möglicherweise kann aber dynamisches Glas dank seiner Fähigkeit, die Menge des einfallenden Tageslichts zu kontrollieren, eine Lösung für dieses potentielle Problem darstellen. Allerdings ist dieser Themenkomplex bis dato noch nicht hinreichend untersucht worden. Wir werden dies jedoch weiter verfolgen.


 

Schlussbemerkungen
Die bevorstehenden Veränderungen in Flughäfen und in der Luftfahrtbranche sind gewaltig. Es scheint, als würden mehrere Paradigmenwechsel zugleich stattfinden. Aufgrund meiner Erfahrung mit anderen Branchen hätte ich eigentlich erwartet, dass ein gewisses Mass an Unsicherheit zu spüren ist, da so viele Veränderungen in so kurzer Zeit passieren. Und doch war ich überrascht, dass eher das Gegenteil der Fall war. Ich erlebte eine Branche, die die bevorstehenden Veränderungen annimmt, auch wenn die Auswirkungen noch nicht vollständig absehbar sind. Obwohl eine Angst vor Veränderung zwar menschlich sein mag, ist sie doch auch sinnlos, wenn der Wandel ohnehin unvermeidlich ist. Man sollte sich der Herausforderung stellen und gewisse Unwägbarkeiten bei der Planung berücksichtigen. Genau dies scheint die gesamte Branche zu beherzigen.

 

Jordan Doria

Jordan Doria ist Senior Channel Marketing Manager bei SageGlass. Bereits seit zehn Jahren ist er in der Baubranche tätig. Seinen Bachelor- und Masterabschluss hat er zuvor an der amerikanischen Universität Villanova University in Politikwissenschaften erhalten.

 
 

Zusätzliche Informationen: