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VISIONARY INSIGHTS

Optimale Tageslichtversorgung in Gebäuden

Jordan Doria
24. Juni 2018

Das Thema Tageslicht und Blendung ist komplex und nur schwer verständlich. Als Laie erhielt ich auf meine generellen Fragen oft die Antwort: „Das kommt auf die Betrachtungsweise an“. Auf Fragen, die mir eindeutig scheinen, wie „Was ist Blendung?“ oder „Wie viel Tageslicht braucht man, um einen Raum ausreichend auszuleuchten?“ konnten von den Experten nicht leicht beantwortet werden. Es gibt viele unterschiedliche Messgrössen, die das genau gleiche beschreiben. Deshalb ist das Thema so schwer verständlich. Dennoch helfen einige grundlegende Begriffe die Komplexität der Tageslichtplanung zu verstehen.

Planung von Gebäuden mit qualitativ hochwertigem Tageslicht

Was Architekten, Eigentümer und Nutzer im Endeffekt anstreben, sind Räume mit einer ausreichenden Tageslichtversorgung. Dieser Oberbegriff kann in vier Bereiche gegliedert werden:

  1. Tageslichtnutzung
  2. Vermeidung von Blendung
  3. Korrektes Lichtspektrum
  4. Subjektive Wahrnehmung

1. Tageslichtnutzung

Die Tageslichtnutzung umfasst mehrere Begriffe. Darunter fällt auch die Beleuchtungsstärke. Diese wird in Lux, umgangssprachlich auch bekannt als Lichtintensität, gemessen. Sie besteht aus den drei Komponenten:

Lichtstrom + Fläche + Zeit

Die Beleuchtungsstärke ist der Quotient aus dem auf eine Fläche auftretenden Lichtstrom und der beleuchteten Fläche. Sie wird auch in der Tageslichtautonomie verwendet. Diese beschreibt den Anteil der Nutzungsstunden, in denen ein Raum mit Tageslicht versorgt wird. Die LEED-Zertifizierung beispielsweise verwendet diese Masseinheit, um Tageslichtpunkte zu vergeben. Zudem werden die einzuhaltenden Nennbeleuchtungsstärken in der europäischen Norm EN17037 festgehalten und unterscheiden sich im Alltag je nach Gebäude oder Raum. So variieren beispielsweise die Anforderungen an Tageslicht in einem Labor von denen eines Bürogebäudes. Je nach Raum werden deshalb die Parameter des Lichtstroms, der Fläche und der Zeit an die räumlichen Gegebenheiten angepasst. Der Vorteil der Tageslichtautonomie ist, dass sie eine variable Messgrösse darstellt, mit deren Hilfe die Tageslichtbeleuchtung analysiert und kundenspezifisch modifiziert werden kann.

In künftigen Blogs werden wir die Tageslichtautonomie (und die damit zusammenhängende Raumlichtautonomie (sDA)) sowie weitere Begriffe der Tageslichtnutzung genauer thematisieren.

2. Vermeidung von Blendung

Unter Blendung wird generell ein störender oder unangenehmer Lichteinfall verstanden. Zuerst soll erläutert werden, wie Blendung gemessen wird, um sich davor effektiv zu schützen. Die einzelnen Bezeichnungen dieses Sammelbegriffs werden zu einem späteren Zeitpunkt erläutert.

Der Lux-Wert dient auch als Richtwert für spezifische Blendungsmessungen. Bei einem bestimmten Wert kann beispielsweise davon ausgegangen werden, dass einige Raumnutzer zeitweise Blendung ausgesetzt sind. Dabei dient die Messgrösse für die jährliche Sonneneinstrahlung (engl. Annual Sunlight Exposure) von LEED als Richtwert. Eine andere Möglichkeit Blendung zu messen, ist die Wahrscheinlichkeit der Blendung durch das Tageslicht (eng. Daylight Glare Probability) an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt im Gebäude.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass diese beiden Messungsarten als Indikatoren für ein Blendungsrisiko dienen können, damit Architekten bereits beim Modellierungsprozess verschiedene Varianten eines effektiven Blendschutzes in Betrachtung ziehen können.

3. Korrektes Lichtspektrum

In einem vorangegangenen Blogbeitrag haben wir die unscheinbaren Effekte von Tageslicht schon einmal angesprochen. Dabei ging es darum, wie optisch unsichtbare Spektralbereiche des Lichts sich nachweislich auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen auswirken können. Das Lichtspektrum ist genau wie Blendung ein komplexes Problem. Wichtig ist, dass beim Einfall des Lichts auch auf die Tageszeit geachtet werden muss, denn je nachdem verändert sich das Lichtspektrum. Das „korrekte Spektrum“ ist daher zeitabhängig und keine feste Messgrösse.

4. Subjektive Wahrnehmung

Die Beurteilung von Qualität basiert nicht nur auf wissenschaftlichen Fakten und Modellen, sondern auch auf der subjektiven Wahrnehmung. Keine wissenschaftlichen Daten können Menschen, die der Auffassung sind, dass ein Raum zu dunkel oder zu hell ist, vom Gegenteil überzeugen. Dies soll verdeutlichen, dass trotz den vielen unterschiedlichen Modellen und Messwerten für Tageslicht und einer optimalen Raumausleuchtung, die Bedürfnisse des Menschen weiterhin im Zentrum stehen sollten.

Schlussfolgerung

Tageslicht ist ein komplexes Thema. Die Gliederung in die vier oben genannten Teilbereiche kann diese anfängliche Komplexität etwas reduzieren und den Begriff veranschaulichen. Alle Bereiche können Bauherren und Architekten bei der Planung einer optimalen Tageslichtversorgung in Gebäuden unterstützen.

 

Jordan Doria ist Senior Channel Marketing Manager bei SageGlass. Bereits seit zehn Jahren ist er in der Baubranche tätig. Seinen Bachelor- und Masterabschluss hat er zuvor an der amerikanischen Universität Villanova University in Politikwissenschaften erhalten. Ihn interessieren vor allem Gebäude, die sowohl dem Menschen als auch der Umwelt einen Mehrwert bieten.

Zusätzliche Informationen: