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VISIONARY INSIGHTS

LIGHTFAIR 2018: Das Lichtkonzept „Human Centric Lighting”

Jordan Doria
19. Juli 2018

Im Mai besuchte ich die LIGHTFAIR 2018 in Chicago. Die Veranstaltung ist Nordamerikas grösste, jährlich stattfindende Fachmesse für die Beleuchtungsindustrie. Während ich in erster Linie die Veranstaltung wegen des Fachvortrags „Licht und Gesundheit“ besuchte, war die Ausstellung an sich jedoch weitaus interessanter. Unterhalb sind drei wichtige Erkenntnisse der Veranstaltung aufgelistet.

 

  1. Das Schlagwort der Messe: „Human Centric Lighting“

Die führenden Unternehmen der Beleuchtungsindustrie haben die positiven Ergebnisse der Auswirkung unterschiedlicher Lichtspektren und -intensitäten auf die Gesundheit zu ihrem Vorteil genutzt. Viele nannten dieses Konzept „Human Centric Lighting“. Unternehmen wie Cree, Samsung, Eaton, USAI, GE und viele weitere haben zu diesem Thema ausgestellt. Einerseits ist dies in vielerlei Hinsicht sehr positiv. Unser zunehmendes Wissen über die Auswirkung von Licht auf die Gesundheit hat in der Beleuchtungsindustrie neue Wege eröffnet, das natürliche Licht besser nachzuahmen, um die menschliche Gesundheit zu unterstützen. Andererseits spielt nicht nur der Wunsch, die Gesundheit und das Wohlbefinden zu fördern, eine Rolle. Der steigende Trend zu immer grösseren Verglasungen geht typischerweise zu Lasten von Beleuchtungen. Kurz um: die Beleuchtungsindustrie verkauft weniger Lichtkörper. Wie das Bild zeigt, versuchen die Unternehmen, diesem Trend entgegenzuwirken, indem sie mit „Human Centric Lighting“ bei der Beleuchtung sich auf den Menschen fokussieren.

Das Bild zeigt, wie Beleuchtungshersteller mit „Human Centric Lighting“ als sinnvolle Alternative zu Fenstern und natürlicher Beleuchtung werben.

Eine der vielgenutzten Referenzen in den Vorträgen zu „Human Centric Lighting“.

  1. „Human Centric Lighting“ & Biomimetik

Meiner Meinung nach war der Stand des Unternehmens Cree der spektakulärste. Auf ihrer grossen Standfläche hatten sie einen räumlich abgetrennten Bereich aufgebaut, in den Gruppen von bis zu jeweils zehn Besuchern gleichzeitig einer zweiminütigen Demo beiwohnen konnten. Es war ein einfacher, Raum in weiss mit Pflanzen und Aussenaufnahmen an den Wänden. Oben befand sich ein nachgebildetes Pseudo-Dachfenster aus LED-Lampen. Über die Lautsprecher ertönte eine beruhigende Stimme, die die Vorteile der Natur und die Verbundenheit zu ihr, erläuterte. Dabei veränderte sich die Beleuchtung des „Dachfensters“ in einem Zeitraffer, um den natürlichen Tageslichtverlaufs zu imitieren. Die Demo begann mit hellem und warmem Licht wie die Morgensonne und wurde immer dunkler und kühler wie die Nacht. Sogar vorbeiziehende Wolken wurden simuliert. Die Stimme der Kommentatorin war unterlegt mit Naturlauten von Vogelgezwitscher bis zum Zirpen der Grillen. Es war interessant und überzeugend. Ich fragte mich aber: Ist das noch biophiles Design oder schon Biomimetik?

Crees Ausstellungsraum „Arcadia Experience“ war entweder ein Beispiel für biophiles Design oder für Biomimetik.

 

  1. Biophiles Design oder Biomimetik?

Nach dieser Erfahrung fand ich zwar, dass Cree die Technologie sehr gut zur Nachahmung und Erzeugung verschiedener Naturelemente eingesetzt hatte. Aber ich war mir nicht sicher, ob es sich um biophiles Design oder Biomimetik handelte. Dabei wurde mir klar, dass es keinen eindeutigen Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen gibt. Auch die Agentur Greenbiz hat im Oktober 2017 einen Artikel dazu veröffentlicht (nur auf Englisch). Dieser erläutert den Unterschied wie folgt: „Biomimetik ist eine innovative Methde zur Leistungssteigerung während biophiles Design eine auf Fakten gestützte Designmethode zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlergehen beschreibt“. Nach dieser Definition gehört der Ausstellungsraum „Arcadia Experience“ in der Tat zum biophilen Design und nicht zur Biomimetik. Aber irgendwie überzeugte mich dies nicht ganz. Cree ahmte nämlich Naturelemente zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlergehen intelligent nach. Ein Gebäude mit vielen Glasflächen und vielen Sitzgelegenheiten mit Blick nach draussen in die Natur wären auch ein Beispiel für biophiles Design. Aber sind sie gleichwertig? Und ist die Nachahmung der Natur dasselbe, wie das Erleben der echten Natur?

Diese Frage kann ich momentan nicht beantworten. Derzeit beschäftigen sich auch Forscher sehr aktiv mit diesem Thema. Sie versuchen herauszufinden, wie gut die „Pseudo-Natur“ wirklich das Bedürfnis nach der Verbundenheit mit der „echten Natur“ erfüllt. Zumindest bedeutet das, dass die intensive Betonung der Wichtigkeit von Licht und Natur auf die Gesundheit ein weiterer Beweis dafür ist, dass dieser Trend immer mehr Beachtung geschenkt wird.

Jordan Doria

Jordan Doria ist Senior Channel Marketing Manager bei SageGlass. Bereits seit zehn Jahren ist er in der Baubranche tätig. Seinen Bachelor- und Masterabschluss hat er zuvor an der amerikanischen Universität Villanova University in Politikwissenschaften erhalten. Ihn interessieren vor allem Gebäude, die sowohl dem Menschen als auch der Umwelt einen Mehrwert bieten.

Zusätzliche Informationen: