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VISIONARY INSIGHTS

Homeoffice vs. Büro: Wer gewinnt das Duell um den besten, bequemsten und effizientesten Arbeitsplatz?

Eloïse Sok-Paupardin
5. Januar 2021
Home vs. Office

Die epidemiologische Lage, in der wir uns seit Anfang dieses Jahres befinden, hat enorme Auswirkungen auf wie und wo wir arbeiten. Der Homeoffice-Anteil ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Vor der Pandemie wurden noch durchschnittlich 1,2 Tage Homeoffice pro Woche verzeichnet, seit der Pandemie sind es durchschnittlich 2,4 Tage pro Woche (JLL). Profitieren die Angestellten also jetzt von mehr Komfort, seit sie in den eigenen vier Wänden arbeiten können? Sind sie der Meinung, dass sie zu Hause produktiver und effizienter sind? Empfiehlt sich das Zuhause gar als Ersatz für herkömmliche Büroräumlichkeiten?

Einige kürzlich durchgeführten Studien bieten erste Erkenntnisse und Antwortversuche auf diese Fragen.

 

Höhere Produktivität zu Hause im Vergleich zum Büro

Eine Umfrage von Cushman & Wakefield mit über 40’000 Arbeitnehmenden im Homeoffice hat ergeben, dass die Produktivität mindestens genauso hoch ist wie im Büro, wenn nicht sogar höher – insbesondere wenn es darum geht, sich auf individuelle Aufgaben zu konzentrieren.  Eine weitere Umfrage von Leesman durchgeführt im August 2020, hat ergeben, dass 82,2 % der 126’969 befragten Arbeitnehmenden im Homeoffice das Arbeitsumfeld im eigenen Zuhause als produktiv empfinden. Diese Zahl kann direkt mit dem Ergebnis einer ähnlichen Studie aus dem Jahr 2018 verglichen werden, bei der nur 57,3 % der 276’422 befragten Arbeitnehmenden das Arbeitsumfeld im Büro als produktiv empfanden.

Quelle: The Homeworking Impact Code, Leesman, August 2020

 

Quelle: The Next 250k, Leesman, 2018

 

Eine Umfrage von JLL aus dem Jahr 2017 mit 7’000 Büroangestellten zeigte eine ähnliche Tendenz auf: 50 % der Befragten gaben an, dass ihr Arbeitsumfeld in den Büroräumlichkeiten kein effizientes Arbeiten erlaube.

Auch wenn klar ist, dass das Homeoffice nicht nur positive Aspekte hat (mehr dazu weiter unten), weisen diese Ergebnisse doch auf eine Diskrepanz hin zwischen dem eigentlichen Zweck von Büroräumlichkeiten und dem, was sie tatsächlich bieten. Büros scheinen nicht mehr der Ort zu sein, an dem Mitarbeitende ihre Aufgaben in effizienter Art und Weise erledigen können.

 

Die Wichtigkeit der Qualität des Arbeitsumfelds

Äussere Einflüsse wie zum Beispiel die Luftqualität, der Lärmpegel, natürliches Licht, die Verbundenheit zur Natur oder auch die Temperatur sind von grosser Bedeutung bei der Qualität des Arbeitsumfelds. Sie wirken sich direkt auf unser Wohlbefinden und unsere körperliche sowie geistige Gesundheit aus und indirekt auch auf unsere Leistung. Laut einer Umfrage von Leesman4 legen die Arbeitnehmenden in Büroräumlichkeiten grossen Wert darauf. Die Studie zeigt aber auch auf, dass noch bei Weitem nicht alle Erwartungen erfüllt sind. Ziemlich genau die Hälfte der Befragten gab nämlich an, im Büro nicht genügend natürliches Licht zu bekommen.

Quelle: The Next 250k, Leesman, 2018

 

Sind Büros vom Aussterben bedroht?

Unbequeme Büros, lange Pendelzeiten, höhere sanitäre Risiken, unausgeglichene Work-Life-Balance, Stress – all das sind Gründe, die dazu führen könnten, dass das Homeoffice auch in Zukunft zur gewünschten Arbeitsmethode wird und das Büro, wie wir es kennen, ganz verschwinden könnte.

Neueste Studien haben allerdings ergeben, dass auch das Homeoffice Nachteile mit sich bringt, wie zum Beispiel ein Mangel an zwischenmenschlicher Interaktion, eine fehlende Verbundenheit mit den Kolleginnen und Kollegen sowie dem Unternehmen oder auch eine fehlende Abgrenzung zwischen Beruflichem und Privatem. Sie zeigten zugleich Ungleichheiten auf in Bezug auf gute Arbeitsbedingungen im eigenen Heim. Einige Arbeitnehmende äusserten den Wunsch, ausschliesslich im Büro zu arbeiten.1 Insbesondere viele Befragten der jüngsten Generation gaben offen und ehrlich zu, dass sie es kaum erwarten können, wieder ins Büro zurückzukehren.

Die grosse Mehrheit der Arbeitnehmenden ist jedoch mit der Situation zufrieden und hofft darauf, auch in Zukunft Telearbeit leisten zu dürfen.1 Demzufolge wird die Arbeitsweise von morgen wohl eine Art Hybrid-Modell sein: teilweise von zu Hause aus, um sich auf individuelle Aufgaben zu konzentrieren, und teilweise vom Büro aus, um sich auszutauschen, mit Mitarbeitenden, dem Team oder dem Vorgesetzten zusammenzuarbeiten oder auch um komplexere Probleme zu lösen.1 Egal, welche Lösung schlussendlich angewendet wird: Das Wohlergehen und die Gesundheit der Mitarbeitenden müssen für jedes Unternehmen an erster Stelle stehen.

 

Büroräumlichkeiten verändern sich – und zwar schnell

Seit einigen Jahren beschäftigen sich Unternehmen immer mehr mit der Arbeitsqualität und setzen darauf, dass zufriedenere Arbeitnehmende auch bessere Leistungen erbringen. Vor diesem Hintergrund haben Unternehmen damit begonnen, sich Überlegungen zur eigentlichen Rolle des Bürogebäudes und seinem Beitrag respektive seiner Auswirkung auf das Wohlergehen und die Gesundheit der Angestellten zu machen.  Aber erst die Pandemie hat diese Überlegungen so richtig vorangetrieben. Sie hat nicht nur zu mehr Bewusstsein beigetragen, sondern auch eine zusätzliche Herausforderung geschaffen: Wie überzeugt man jetzt, da sich das Homeoffice etabliert hat, Mitarbeitende dazu, wieder ins Büro zurückzukehren, um ihr Engagement und ihr Zugehörigkeitsgefühl zum Unternehmen aufrechtzuerhalten genauso wie den informellen Austausch, die Kreativität und die Innovation? All das sind gemäss neuesten Studien Bereiche, für die der Arbeitsplatz im eigenen Zuhause keine günstigen Rahmenbedingungen liefere. 

Qualitativ hochstehende Bürogebäude und zwischenmenschliche Beziehungen mit grossem Mehrwert, die sich von denen zu Hause unterscheiden: Auf diese Aspekte sollten sich Unternehmen fokussieren, welche die Bedürfnisse ihrer Talente befriedigen und sie somit an sich binden wollen. Angesichts dessen darf die Qualität des Arbeitsumfelds nicht länger vernachlässigt werden. Gute Luftqualität ist ein Muss, genauso wie genügend natürliches Licht, eine Verbundenheit mit der Natur reduzierte Lärmbelastung sowie eine Abkühlung im Sommer. Nicht nur traditionelle Büroräume bedürfen besonderer Beachtung, sondern auch Sitzungs- und Schulungsräume, Bereiche für die Zusammenarbeit und fürs Kreative, Entspannungsbereiche, Restaurantbereiche usw. Die Einrichtung von Bürogebäuden wird sich zwangsläufig weiterentwickeln, um den neuen Erwartungen in Bezug auf die Bevölkerungsdichte, die Nutzung und die Services gerecht zu werden.

 

Fazit

Als grosser Gewinner geht letztlich weder das Homeoffice noch das Büro aus der Gesundheitskrise hervor, sondern ein Hybrid aus beiden Arbeitsformen. Auch wenn die Arbeitnehmenden den Komfort der eigenen vier Wände schätzen, wünschen sie sich wegen der zwischenmenschlichen Kontakte trotzdem, ins Büro zurückzukehren. Dieser Wunsch wird auch von den besorgten Arbeitgebern geteilt, die die Motivation ihrer Mitarbeitenden hochhalten wollen. Aus diesem Grund haben die Unternehmen erkannt, wie wichtig es ist, grösseren Wert auf die Verbesserung der Räumlichkeiten zu legen, und dass Kosteneinsparungen bei Bürogebäuden nicht an erster Stelle stehen sollten. 

 

Eloise Sok

 

Eloïse Sok ist Concept Creator bei SageGlass Europa & Mittleren Osten. Sie hat einen universitären Doppelabschluss im Bereich Ingenieurwissenschaften der Ecole Centrale in Frankreich und der Tsinghua Universität in China. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen nachhaltiges Bauwesen, Tageslicht und der Komfort der Gebäudenutzer. Ihr Motto: "Leidenschaft ist unsere grösste Stärke".

 


Quellen:

  • Reimagining Human Experience, JLL, November 2020
  • The future of workplace: how will COVID-19 and data shape the new workplace ecosystem? Cushman & Wakefield, 2020
  • The Homeworking Impact Code, Leesman, August 2020
  • The Next 250k, Leesman, 2018
  • Workplace Powered by Human Experience, JLL, 2017
  • The future of global office demand, JLL, June 2020
  • Do amenities still matter in a post COVID-19 world? Cushman & Wakefield, November 2020

 

Zusätzliche Informationen: